Matt Lamb
Krzysztof Romiński
Matt Lamb ist ein Künstler, dessen Gesichtsausdruck von Leiden und Disziplin geprägt ist. Am 5. Mai 2005 zeigte er uns im Poznaner Schloss „Zamek” seine „Bilder des Gewissens”. Ich habe sie so genannt, weil ich in seiner Körpersprache und Sprechweise etwas von einem Prophet und Guru gesehen habe, und sie appellieren meistens an unser Gewissen. Ich habe mich nicht geirrt. In seiner Begrüßungsrede bestätigte Lamb, dass seine Kunst die wichtigsten Ereignisse aus unserem Leben als Grundlagen hat: den Zyklus der Geburt, des Bedürfnisses nach Liebe, Geborgenheit und des Todes.
Seine Bilder interferieren ideal mit dem, was er sagt und lebt. Ich habe in ihnen den Künstler gesehen, der sich auf die menschliche Seele konzentriert und ständig an sie appelliert. Sie erinnern mich auch an meine Seele und die vielen Gewissen, die auf ihr lasten.
Anfangs nervte mich bei der Wahrnehmung der Bilder ihre „Schwere”. Ich habe aber schnell gemerkt, dass eben so unsere Gewissen funktionieren. Ich kenne das Gefühl von Kind an und weiß, dass es nicht nur mich betrifft. Ich spüre es bei anderen, auch bei Tieren, es ist dieses lastende Gefühl am Gewissen. Matt zeigte uns bei seiner Autopräsentation einen von Kindern bemalten Schirm. Zugleich zeigte er uns damit unsere Defizite. Für mich hat der Schirm eine Schutzfunktion, aber in den Händen des Künstlers wurde er zu einer Metapher und symbolisierte das Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Besonders ausdrucksvoll war die Geste, als er den Schirm auf die Seite nahm, wodurch eine Atmosphäre voller Kühle entstand. Jeder von uns braucht Geborgenheit, aber zusammen können wir sie nur aufbauen, was Matt auch gezeigt hat, indem wir zum gemeinsamen Aufenthalt unter dem Schirm einladen. Auf dem Schirm waren – wie Pflanzen, die aus Samen ausschlagen – die Symbole für den Schutz unserer Identität, die Bildung, die Toleranz und die Liebe gemalt.
Das Bedürfnis nach Liebe, also der Schutz unserer Identität, stößt von Anfang unseres Lebens auf Widerstand und wir müssen ihn überwinden, und dazu – jetzt komme ich ans Ziel – braucht man das Gewissen.
Matt Lamb zeigt uns, wie man dem im künstlerischen Schaffen gerecht wird. Er überwindet dabei alle Sprach- und Kulturbarrieren, weil er an unsere Gefühle und Gewissen appelliert. Dieser Appell zwingt uns dazu, dass wir vor den Problemen, die uns umgeben, nicht fliehen, sondern sie kreativ lösen. Matt hat den 60. Jahrestag der Befreiung der Menschlichkeit von den Konzentrationslagern angesprochen, deren Existenz das Bewusstsein meiner Generation – der Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg geboren sind – so stark geprägt hat.
Polen war das Opfer, Matt war lediglich ein Beobachter, weil er ein Amerikaner irischer Abstammung ist. Das war seinerseits eine sehr schöne Geste, die die Perspektive, in der wir unsere Belastungen sehen, zur Weltperspektive erweiterte.
Seine Bilder haben dadurch eine völlig andere Bedeutung und Gewicht. Ich nehme sie weiterhin als einen Prozess des Malens mit Gewissen wahr, bei dem die Farben lediglich die Zweckmittel sind, ähnlich wie die DNA-Information mit einer Sequenz von Nukleotiden übertragen wird, und ohne ihre Chiffre unlesbar ist.
Die Chiffre für das Kennenlernen seiner Bilder ist das Gewissen, das unsere Seelen gestaltet. Deswegen schaltete ich meinen Verstand aus, während ich sie analysierte und gab mich ihrer Melodie hin, und die daraus fließenden Empfindungen brachte ich in Einklang mit meiner Seele. Dafür möchte ich mich bei Matt bedanken.